Außergewöhnliche Einsatzlagen erfordern eine ebenso außergewöhnliche Ausbildung. Unter dem Motto „Einsätze außerhalb der Routine“ veranstaltete das Bayerische Rote Kreuz Landsberg am Lech am Windachspeicher einen gemeinsamen Workshoptag für Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und der Wasserwacht. Ziel war es, die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdienste zu stärken und außergewöhnliche Einsatzszenarien zu trainieren, die im Einsatzalltag nur selten vorkommen, im Ernstfall jedoch ein hohes Maß an Fachwissen, Teamarbeit und Flexibilität erfordern.
An der Fortbildung nahmen zehn Rettungssanitäter teil, die in vier Gruppen aufgeteilt wurden. Begleitet wurden sie von vier Ausbildern des Rettungsdienstes sowie einem zweiköpfigen Organisationsteam. Die Wasserwachten Landsberg, Dießen und Utting waren mit insgesamt 14 Teilnehmern und drei Ausbildern vertreten. Darüber hinaus beteiligten sich die Feuerwehren Finning einschließlich des First Responders Finning, Entraching und Utting mit insgesamt 25 Einsatzkräften. Für besonders realitätsnahe Übungsbedingungen sorgten fünf Mimen aus den Reihen der Feuerwehr Heinrichshofen und des BRK Landsberg sowie eine Schminkerin, die die dargestellten Verletzungsmuster professionell vorbereitete.
Im Mittelpunkt standen insgesamt fünf anspruchsvolle Übungsszenarien, die bewusst außerhalb der normalen Einsatzroutine angesiedelt waren. Dabei mussten die Einsatzkräfte ihre gewohnten Abläufe verlassen und sich auf ungewohnte Situationen einstellen. So galt es unter anderem, einen verletzten Patienten hinter der Hochwasserentlastung des Windachspeichers medizinisch zu versorgen und anschließend mittels Bootstransfer in Sicherheit zu bringen. In einem weiteren Szenario wurde die Rettung eines Verunfallten aus unwegsamem Waldgelände mit schwieriger Hanglage trainiert. Besonders herausfordernd war auch die Versorgung eines Patienten mit einer schweren allergischen Reaktion nach einem Wespenstich, der ausschließlich über den Wasserweg erreichbar war. Eine weitere Station führte die Teilnehmer in einen Grundablassstollen des Windachspeichers. Dort mussten die Rettungskräfte unter äußerst beengten Platzverhältnissen arbeiten und einen Patienten über eine Strecke von rund 100 Metern liegend transportieren. Zusätzlich wurde ein spezielles Einsatzszenario im Schieberschacht durchgeführt, das durch die Einsatzkräfte der Wasserwacht abgearbeitet wurde.
Der Workshoptag zeigte eindrucksvoll, wie wichtig regelmäßiges und praxisnahes Training für seltene Einsatzlagen ist. Neben der medizinischen Versorgung standen insbesondere Kommunikation, Teamarbeit und die enge Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst, Wasserwacht und Feuerwehr im Fokus. Die Teilnehmer konnten dabei wertvolle Erfahrungen sammeln und ihre Handlungssicherheit in außergewöhnlichen Einsatzsituationen weiter ausbauen.
Ein besonderer Dank gilt dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim, das mit dem Windachspeicher eine außergewöhnliche und vielseitige Übungsörtlichkeit zur Verfügung gestellt hat. Ohne diese Unterstützung wäre die Durchführung eines derart realitätsnahen Ausbildungstages nicht möglich gewesen.
Ebenso bedanken wir uns bei den drei Helferinnen und Helfern des BRK-Fachdienstes Betreuung, die alle Beteiligten den gesamten Tag über hervorragend versorgt haben. Den gelungenen Abschluss fand der Workshoptag bei einem gemeinsamen Grillabend, der Gelegenheit zum Austausch über die gewonnenen Erfahrungen bot.
Die Stimmung war während des gesamten Tages hervorragend und auch das Wetter spielte perfekt mit. Bei strahlendem Sonnenschein konnten alle Beteiligten einen rundum erfolgreichen Übungstag erleben, der einmal mehr gezeigt hat, wie wichtig gemeinsame Aus- und Fortbildung für eine professionelle Hilfeleistung im Ernstfall ist.

